Die Wertschätzung der Kreativbranche

16 Jul; 2019 | Business

Foto: unsplash | alex-jones

Wer in der Kreativbranche arbeitet, der kennt es sehr gut: Die Wertschätzung lässt gerne zu wünschen übrig. Kein Wunder, denn es steckt viel mehr Arbeit dahinter, als nach Außen sichtbar wird.

Täglich werden wir auf Facebook daran erinnert, dass wir doch gefälligst hochpreisig verkaufen sollen. Gerade die Arbeit in der Kreativbranche bekommt aber leider wenig Wertschätzung. Viel zu undurchsittig ist die Zeit, die in unseren Projekten steckt.

Kreativität hat ihren Preis

Hast du schon einmal auf einem Weihnachtsmarkt ein paar handgestrickte Socken gekauft? In der Regel liegen sie preislich zwischen 15 und 30 Euro. Das Handarbeiten findet wieder zahlreiche Freunde und die Märkte sind voll mit diesen wunderschönen Einzelstücken.

Würde man diese Arbeit wirklich wertschätzend entlohnen, lägen diese handgestrickten Einzelstücke bei mindestens 100 Euro pro Paar – zuzüglich Material. Aber wer von uns wäre bereit, diesen Preis zu zahlen? Letztlich bleibt den Frauen (oder auch Männern) lediglich ein kleines Taschengeld.

Wir kreativen Menschen hören oft: Mach doch mal eben

“Schreib doch mal eben den Text, ist ja nicht viel Arbeit”. Wenn du beispielsweise als Texterin arbeitest, dann klingeln dir jetzt sicherlich die Ohren. Die meisten denken, eine Texterin setzt sich hin und legt dann einfach mal los – schließlich haben sie das Schreiben doch im Blut. Und was sind da schon 1000 Wörter?

Selbst wenn du im Thema drin bist, kommst du an einer guten Recherche nicht vorbei. Eventuell sollen Zitate in den Text eingebaut werden, die du zunächst suchen musst. Es regnet Quellenangaben, Urheber müssen gefunden und eingefügt werden.

Dass gut recherchierte Texte ihre Zeit brauchen, haben leider erst wenige Agenturen und Magazine erkannt. Vor einiger Zeit las ich in einem Portal, dass man bei vielen Textern*innen im Nachgang noch Korrekturarbeit leisten müsse – da wäre man auch nicht bereit, viel für diese Arbeit zu bezahlen. Ich finde, wer nur ein paar Euro bereit ist auszugeben, der kann auch nicht die beste Qualität erwarten.

Backend und Frontend – es steckt viel Arbeit darin

Bei der Gestaltung einer Website geht es nicht anders zu. Neulich sah mir eine Kundin dabei über die Schulter, wie ich eine Stelle im Text korrigiert habe. Sie war erstaunt, wie viele Schritte hierfür nötig sind: Seite öffnen, Modul öffnen, Textstelle suchen, diese korrigieren, speichern klicken und warten, bis alles aktualisiert ist. Nochmals in der Vorschau überprüfen, ob auch alles passt. Und das nicht selten wegen eines einzigen Wortes.

Natürlich sieht man bei einer Website nur, wie es vorne – also im Frontend – aussieht. Wie viele Stunden tatsächlich dahinterstecken, bevor eine Website wirklich online gehen kann, wissen die wenigsten.

Im Backend – also hinter dem Vorhang – warten viele Stunden Arbeit, bis alles so aussieht, wie es sich die Kundin oder der Kunde vorgestellt hat. Das Layout muss gestaltet werden, die notwendigen Plugins müssen geladen und einzeln eingerichtet werden. Die Fotos müssen für das Web angepasst, die Texte wollen geschrieben und für die Suchmaschinen optimiert werden. Farben und Schriftarten werden in CSS-Dateien angelegt, damit auch alles einheitlich aussieht. Und so einiges mehr.

Bis es dazu kommt, dem Kunden oder der Kundin den ersten Entwurf zu präsentieren, steckt also schon erhebliche Arbeit im Design und in der Technik einer Website. Im Anschluss folgen noch eventuelle Korrekturarbeiten, die jedoch, wie oben beschrieben, nochmal einiges an Zeit in Anspruch nehmen können.

Qualität gibt es nicht zum Sonderpreis

Auch ich höre ab und an, dass man eine Website doch selbst erstellen kann. Der Freund der besten Freundin hat sowas schon mal gemacht, der kennt sich ganz gut aus. Aber kennt er sich wirklich aus? Hat er auch Ahnung von den gesetztlichen Vorgaben? Weiß er auch, was laut Datenschutzgrundverordnung auf einer Website umgesetzt werden muss?

Eine datenschutzkonforme Website zu erstellen geschieht eben nicht zwischen Tür und Angel und schon gar nicht im Keller des besten Freundes. Das Aufsetzen einer Website bedarf Ahnung von Technik, Gestaltung und Farbgebung. Und auch ein gutes Fingerspitzengefühl für die Wünsche der Kunden*innen.

Wertschätzung ist in der Kreativbranche ein großer Motivator

Wertschätzung für die eigene Arbeit ist ein sehr wichtiger Bestandteil für eine gelungene Zusammenarbeit. Wenn das erste Gespräch bereits in eine andere Richtung geht, du kein gutes Bauchgefühl hast, dann überlege, ob du den Auftrag auch ablehnen könntest.

Eine authentische Website, die passgenau auf die Leistungen und Angebote zugeschnitten ist, braucht gegenseitiges Vertrauen und vor allem auch Wertschätzung. Ich bin dankbar, dass ich die meiste Zeit mit solchen Kundinnen und Kunden zusammenarbeiten darf.

Natürlich gelingt es uns nicht immer, nur mit Wunschkunden zusammenzuarbeiten – das wäre ja perfekt. Und dennoch müssen wir darauf achten, dass gerade die kreative Arbeit ohne Wertschätzung nicht auskommt. Sie ist für mich immer auch der Motivator für meine Projekte.

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