In Zeiten, in denen qualifizierte Mitarbeitende für viele Unternehmen schwer zu finden sind, lohnt es sich, die Karriereseite auf der eigenen Unternehmens-Website einmal besonders unter die Lupe zu nehmen.
In diesem Beitrag gehe ich darauf ein, warum eine Website beim Recruiting eine größere Rolle spielt, als viele Unternehmen vermuten. Und das man potenzielle Mitarbeitende nicht durch austauschbare Arbeitgeberfloskeln erreicht.
Recruiting über die eigene Website beginnt vor der Bewerbung
Stell dir vor, jemand entdeckt eine interessante Stellenanzeige von deinem Unternehmen. Die Aufgaben klingen spannend. Der Standort passt. Das Gehalt vielleicht auch.
Was passiert als Nächstes?
Viele Interessenten werden erst einmal deine Website besuchen. Sie möchten wissen, mit wem sie es zu tun haben. Wie das Unternehmen aussieht. Wer dort arbeitet. Welche Atmosphäre sie erwartet.
Und hier beginnt ein erstes „Vorstellungsgespräch“, bei dem du gar nicht anwesend bist. Deine Website interagiert mit einem möglichen neuen Mitarbeitenden. Mit Bildern. Mit Sprache. Mit Informationen.
Denn Bewerber:innen entscheiden nicht nur, ob sie fachlich zu einer Stelle passen. Sie möchten auch herausfinden, ob sie sich in deinem Unternehmen wohlfühlen könnten.
Genau deshalb sollte deine Website nicht ausschließlich auf potenzielle Kunden ausgerichtet sein. Sie hat noch eine zweite, oft unterschätzte Zielgruppe: Menschen, die vielleicht eines Tages für dich arbeiten möchten.
Warum deine Unternehmenswebsite beim Recruiting entscheidend ist
Du kennst das wahrscheinlich aus eigener Erfahrung. Du hörst von einem Unternehmen, das dich interessiert, und schaust dir die Website an. Innerhalb kurzer Zeit entsteht ein erster Eindruck.
Wirkt das Unternehmen modern oder eher verstaubt?
Persönlich oder distanziert?
Offen oder unnahbar?
Natürlich lässt sich aus einem Webdesign nicht zuverlässig auf die tatsächliche Unternehmenskultur schließen. Aber Menschen nutzen die verfügbaren Informationen, um sich ein erstes Bild zu machen.
In der Psychologie spricht man dabei unter anderem von Heuristiken: gedanklichen Abkürzungen, mit denen wir Informationen schnell einordnen.
Gerade wenn wir ein Unternehmen noch nicht kennen, können visuelle und sprachliche Signale unsere Erwartungen beeinflussen.
Ein authentisches Teamfoto vermittelt möglicherweise mehr Nähe als ein austauschbares Stockfoto.
Ein verständlicher, persönlicher Text kann zugänglicher wirken als eine Ansammlung komplizierter Unternehmensfloskeln.
Und eine übersichtliche Karriereseite erleichtert es, sich mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen.
Deine Website zeigt also nicht nur, was du tust. Sie beeinflusst, wie Menschen sich eine Zusammenarbeit mit dir vorstellen. Oder ob sich Interessierte bei dir bewerben wollen.
Karriereseite optimieren: Authentizität statt austauschbarer Floskeln
Viele Unternehmen versuchen auf ihrer Karriereseite vor allem eines: möglichst attraktiv zu wirken.
Da ist von einem „dynamischen Team“ die Rede. Von „spannenden Herausforderungen“, „flachen Hierarchien“ und „attraktiven Benefits“.
Klingt erst einmal gut.
Das Problem: Solche Aussagen stehen auf unzähligen Karriereseiten. Und sie verraten erstaunlich wenig darüber, wie es tatsächlich ist, in diesem Unternehmen zu arbeiten.
Was bedeutet „flache Hierarchien“ konkret? Darf ich eigenständig Entscheidungen treffen? Kann ich Ideen einbringen? Wie läuft die Kommunikation mit der Geschäftsführung? Und was genau macht das Team so besonders?
Wer Menschen für sein Unternehmen begeistern möchte, sollte nicht nur positive Begriffe verwenden, sondern sie mit Leben füllen.
Statt „Wir bieten flexible Arbeitszeiten“ könntest du erklären, welche Möglichkeiten es tatsächlich gibt.
Statt „Bei uns erwartet dich ein tolles Team“ könntest du zeigen, wer die zukünftigen Kollegen sind und wie sie zusammenarbeiten.
Statt „Wir fördern deine Entwicklung“ könntest du konkrete Beispiele nennen, wie Mitarbeiter sich in deinem Unternehmen fachlich weiterbilden können.
Je konkreter du wirst, desto leichter können mögliche Bewerber beurteilen, ob dein Unternehmen zu ihren Vorstellungen passt.
Im Recruiting geht es weniger darum, möglichst viele Menschen anzusprechen. Sondern darum, die richtigen Menschen zu erreichen.
Neuro-Webdesign im Recruiting: So beeinflusst deine Karriereseite Entscheidungen
Die Karriereseite auf deiner Website sollte mehr sein als nur eine Liste mit offenen Stellen. Sie ist ein digitaler Raum, in dem Menschen Informationen sammeln, Erwartungen entwickeln und Entscheidungen treffen.
Hier kommen Prinzipien aus der Wahrnehmungs- und Entscheidungspsychologie ins Spiel.
1. Orientierung: Finde ich sofort, was ich suche?
Wer sich für eine Stelle interessiert, möchte nicht erst durch die gesamte Unternehmenswebsite navigieren.
Eine gut sichtbare Karriere-Navigation, verständliche Stellenbezeichnungen und eine übersichtliche Darstellung helfen dabei, relevante Informationen schnell zu finden.
Besonders wichtig: Die Karriereseite muss auch auf dem Smartphone problemlos funktionieren. Denn eine interessante Stelle wird nicht immer am Schreibtisch entdeckt.
2. Sicherheit: Weiß ich, was mich erwartet?
Ein Jobwechsel ist für viele Menschen eine wichtige Entscheidung. Offene Fragen können dabei Unsicherheit erzeugen.
Wie läuft der Bewerbungsprozess ab?
Welche Unterlagen kann ich wo einreichen/hochladen?
Gibt es eine Ansprechperson für die ausgeschriebene Stelle?
Wann kann ich mit einer Rückmeldung rechnen?
Je transparenter du diese Informationen vermittelst, desto leichter fällt es Interessenten, den nächsten Schritt einzuschätzen.
3. Identifikation: Kann ich mich hier wiederfinden?
Mögliche Bewerbende möchten sich vorstellen können, wie ihr Arbeitsalltag aussehen wird. Echte Einblicke in das Team, den Arbeitsplatz und die Zusammenarbeit können dabei helfen.
Es geht weniger darum, eine perfekte Arbeitswelt zu inszenieren. Sondern darum, ein glaubwürdiges Bild zu vermitteln.
Karriereseite gestalten: Diese 5 Inhalte dürfen nicht fehlen
Eine Karriereseite muss nicht riesig sein. Gerade kleinere Unternehmen können mit einer klaren, persönlichen Darstellung punkten.
Wichtiger als die Menge der Inhalte ist, dass sie die richtigen Fragen beantworten.
1. Ein ehrlicher Einblick in dein Unternehmen
Zeige, wer ihr seid, wie ihr arbeitet und was euch auszeichnet. Nicht mit allgemeinen Werbeversprechen, sondern mit konkreten Beispielen.
2. Verständliche Stellenangebote
Welche Aufgaben erwarten Bewerber? Welche Fähigkeiten sind wirklich notwendig? Welche Rahmenbedingungen bietet ihr?
Je klarer die Beschreibung, desto besser können Interessenten ihre Eignung einschätzen.
3. Informationen zur Unternehmenskultur
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit? Wie werden Entscheidungen getroffen? Welche Werte spielen im Arbeitsalltag tatsächlich eine Rolle?
4. Ein transparenter Bewerbungsprozess
Erkläre, welche Schritte auf eine Bewerbung folgen. Das schafft Orientierung und reduziert unnötige Unsicherheit.
5. Eine einfache Bewerbungsmöglichkeit
Nicht alle Bewerbenden sind internetaffin. Mit einem unkomplizierten Formular, gut verständlichen Pflichtfeldern und ohne technische Hürden erleichterst du Interessierten die Bewerbung.
Braucht jedes Unternehmen eine eigene Karriereseite?
Nicht unbedingt. Wenn du nur gelegentlich neue Mitarbeitende suchst, kann ein gut gestalteter Karrierebereich innerhalb deiner bestehenden Website völlig ausreichen. Wichtig ist, dass Interessenten relevante Informationen leicht finden.
Auch eine einzelne Unterseite kann viel bewirken, wenn sie verständlich aufgebaut ist und ein ansprechendes Bild deines Unternehmens vermittelt.
Und selbst wenn du gerade keine offenen Stellen hast, kann es sinnvoll sein, dein Unternehmen als Arbeitgeber vorzustellen. Und auch nicht jeder sucht in diesem Moment aktiv nach einem neuen Job. Manchmal entsteht Interesse erst durch einen positiven Eindruck.
Eine Website kann diesen ersten Kontakt ermöglichen, lange bevor eine konkrete Bewerbung im Raum steht.
Karriereseite optimieren: Der Selbsttest für deine Website
Versetze dich für einen Moment in die Lage eines Menschen, der dein Unternehmen noch nicht kennt.
Öffne deine Website und beantworte diese fünf Fragen:
- Ich erkenne schnell, ob und welche Stellen aktuell ausgeschrieben sind.
- Ich bekomme einen glaubwürdigen Eindruck vom Team und vom Arbeitsalltag.
- Die Stellenbeschreibungen sind konkret und verständlich.
- Ich weiß, wie der Bewerbungsprozess abläuft und an wen ich mich wenden kann.
- Ich kann mich auch auf dem Smartphone unkompliziert bewerben.
Wie viele Häkchen kannst du setzen?
Fünf? Dann bietet deine Website bei diesen Punkten bereits eine gute Grundlage.
Drei oder vier? Vielleicht gibt es noch ein paar Hürden, die du leicht beseitigen kannst.
Weniger als drei? Dann lohnt es sich, deine Website einmal bewusst aus Bewerbersicht zu betrachten.
Denn was für dich als Unternehmer selbstverständlich ist, muss für Außenstehende noch lange nicht erkennbar sein.
Fazit: Deine Website bewirbt sich bei zukünftigen Mitarbeitenden
Eine gute Unternehmenswebsite muss mehr können, als Leistungen präsentieren und Kunden informieren. Sie sollte auch zeigen, wer hinter dem Unternehmen steht.
Gerade in Zeiten, in denen qualifizierte Mitarbeiter für viele Unternehmen schwer zu finden sind, lohnt es sich, die eigene Website aus einer neuen Perspektive zu betrachten.
Nicht nur mit der Frage:
„Warum sollten Kunden bei uns kaufen?“
Sondern auch:
„Warum sollte jemand gerne bei uns arbeiten wollen?“
Die Antwort darauf steckt nicht in möglichst vielen Benefits oder besonders kreativen Schlagworten. Sie steckt in glaubwürdigen Einblicken, verständlichen Informationen und einer Gestaltung, die Menschen Orientierung bietet.


